Rede anlässlich des IDAHOBIT 2020

Herzlich willkommen zum IDAHOBIT 2020,
dem Internationalen Tag gegen Homo, Bi-, Inter- und Transphobie, in Wiesbaden!


Aufgrund der COVID-19 Pandemie kann der IDAHOBIT leider nicht
mit Regenbogenempfang im Rathaus und anschließender Kundgebung stattfinden, der Verein Warmes Wiesbaden hat sich daher entschieden, den IDAHOBIT 2020 virtuell in Kooperation mit der Aids-Hilfe Wiesbaden und der Jugendkirche KANA zu veranstalten.


An diesem Tag wird weltweit gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, intergeschlechtlichen Menschen und Transpersonen demonstriert.
Und wenn wir diesen Tag in diesem Jahr nur virtuell begehen können, ist es dennoch ein wichtiger Termin, denn Diskriminierung findet auch im Alltag mit Corona statt.
Das hat mir persönlich Anfang Mai der Kommentar einer NDR-Info Journalistin vor Augen geführt.
In diesem Kommentar wurde argumentiert, dass in der Krise sichtbar wird, wen und was wir wirklich brauchen: Das seien eher keine Gendersternchen oder heiße Debatten um Toiletten für ein drittes Geschlecht, keine politisch korrekte Sprachsäuberung oder Kampagnen gegen alte weiße Männer, sondern Handwerker und Landwirte, Postboten und LKW-Fahrer, Verkäuferinnen, Apotheker, Ärzte und Pfleger.
Normale Menschen, eben.

In einem Punkt gebe ich der NDR-Journalistin Recht:
in der Krise wird sichtbar wen und was wir wirklich brauchen
und das ist eine Gesellschaft, die akzeptiert, dass unsere Gesellschaft vielfältig ist und wertschätzt, dass ihr Menschen unterschiedlicher geschlechtlicher und sexueller Identität angehören, statt diese abzuwerten, dass sie nicht der „Norm“ entsprechen.

Auch die Entwicklung in unserem Nachbarland Polen ist besorgniserregend.
Seit Mitte des letzten Jahres entstehen dort sogenannte „LSBT-freie Zonen“.
Bereits in über 100 Kommunen suggerieren kommunale Politikerinnen durch bspw. Schilder am Ortseingang in „ihrem“ Gebiet gebe es keine Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell oder trans seien, bzw. sie sollten nicht in „ihrem“ Gebiet leben.
Damit gelten in fast einem Drittel Polens homosexuelle, bisexuelle oder transsexuelle Menschen als offiziell unerwünscht.
Ihnen wird abgesprochen Teil der Gesellschaft zu sein, ihre Existenz schlichtweg geleugnet und ihre freie Entfaltung auch mit strafrechtlichen Mitteln verhindert.
Da auch Förderungen für LSBTI-Projekte wie Aufklärungs- und Antidiskriminierungskampagnen in Schulen verhindert werden,
Kinder werden somit nicht befähigt eine Haltung gegenüber anderen Menschen zu entwickeln, die sich an der Würde des Menschen orientiert.
Diese Verfolgung von Menschen, die nicht den Vorstellungen der politischen Entscheidungsträger entsprechen, erinnert mich persönlich an ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte und
diese Verfolgung von Menschen, die nicht den Vorstellungen der politischen Entscheidungsträger entsprechen, widerspricht Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.
Denn alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.
Das Vorgehen Polens stellt daher auch einen Verstoß gegen grundlegende Rechte und Werte der europäischen Union dar!
Um in der Partnerstadt Wiesbadens LSBT-freie Zonen zu verhindern, hat der Verein Warmes Wiesbaden daher die Stadt Wiesbaden aufgefordert auf die Partnerstadt Breslau einzuwirken.

Eine aktuelle Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte zeigt auch, dass 43 % der LSBT*IQ ihre sexuelle und geschlechtliche Identität geheim halten.

Abstand gleich Liebe, lautet das Motto der Zeit,
damit ist aber der rein physische Abstand gemeint, auch im Schatten der COVID-19-Pandemie ist kein Platz für Ausgrenzung und Diskriminierung.
Diese Zeit beweist, nur gemeinsam sind wir, die vielfältige Gesellschaft stark gegen die Pandemie und nicht durch Ausgrenzung und Diskriminierung Anderer.

Auch wenn wir nun nicht, wie in den vergangenen Jahren, gemeinsam mit anderen Menschen weltweit unsere Wünsche und Botschaften gegen Diskriminierung in die Luft steigen lassen,
so erheben wir dennoch unsere Stimmen und setzen durch die Regenbogenfahnen in der Wilhelmstraße in Wiesbaden symbolisch ein Zeichen!

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